
Zwei zentrale Bedürfnisse des Menschen stehen im Mittelpunkt der neuen großen Sonderausstellung des Deutschen Hygiene-Museums – das Schlafen und das Träumen. Ein gewaltiges Thema – denn es ist fast ein Drittel unseres gesamten Lebens, das wir einfach verschlafen und verträumen. Kein Wunder also, dass sich die Fantasien der Menschen zu allen Zeiten mit den Phänomenen Schlaf und Traum beschäftigt haben. Künstler, Literaten und Wissenschaftler waren und sind von der rätselhaften und widersprüchlichen Nachtseite der menschlichen Existenz fasziniert. Die bizarren nächtlichen Traumwelten erleben wir als ebenso anziehend wie beängstigend, während wir den erholsamen und regenerierenden Schlaf seit alters her auch mit dem Tod – mit Schlafes Bruder – in Verbindung bringen.
Wissenschaftlich exakt beantworten können wir bis heute aber noch nicht einmal scheinbar einfache Fragen wie: »Warum schlafen wir?« oder »Wozu träumen wir?«. Die interdisziplinäre Ausstellung »Schlaf & Traum« zieht darum gewissermaßen Bilanz: Sie befasst sich einerseits mit den biomedizinischen und neurologischen Vorgängen in unserem schlafenden Körper und Gehirn; andererseits betrachtet sie die Wechselwirkungen zwischen den wissenschaftlichen Erkenntnissen und den gesellschaftlich-kulturellen Veränderungen, denen Schlaf und Traum schon immer unterworfen waren.
Die Ausstellung hat auch eine ganz aktuelle Dimension, denn Schlafstörungen aller Art sind heute zu einem Massenphänomen geworden. Offenbar hat sich in der modernen Gesellschaft das alltägliche Schlafverhalten vieler Menschen stark verändert – und das nicht zum Besseren, wie die umfangreiche Ratgeberliteratur belegt. Der menschliche Biorhythmus wird nicht nur durch die Anforderungen von Schicht- und Nachtarbeit aus dem Takt gebracht, sondern auch durch schlafraubende Freizeitgewohnheiten in Zeiten des Internet und einer medialen Dauerberieselung.
Die Ausstellung präsentiert über 300 Objekte internationaler Leihgeber, Dokumente und Filme aus der Welt der Wissenschaft, kultur- und kunstgeschichtliche Exponate sowie markante Werke prominenter zeitgenössischer Künstler, darunter Katharina Fritsch, Rodney Graham, Ron Mueck, Raffael Rheinsberg, Mark Wallinger oder Krzysztof Wodiczko. Die gezeigten Arbeiten treten in einen spannungsreichen Dialog mit den Ausstellungsthemen und ergeben gemeinsam eine subjektiv gefärbte Erzählung des Themas »Schlaf & Traum“. Der wissenschaftliche Blick wird so in seinen Gewissheiten hinterfragt, kommentiert oder auch spielerisch unterlaufen.
Die Ausstellung wurde konzipiert von dem Berliner Kurator Michael Dorrmann. Die Ausstellungsarchitektur und -gestaltung stammt vom Büro Wandel Hoefer Lorch + Hirsch, das für das Deutsche Hygiene-Museum bereits die Ausstellung »Mythos Dresden« realisiert hat und durch die Bauten der Synagogen in Dresden (2001) und München (2006) internationale Beachtung fand.
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